„Wieso sich Schulen verändern müssen“

Die Lehr:werkstatt zu Gast bei "sueddeutsche.de unterwegs" an der TUM in München

Auf dem Podium von sueddeutsche.de unterwegs diskutierten Carl-August Graf v. Kospoth (Geschäftsführender Vorstand der Eberhard von Kuenheim Stiftung), Katharina Seehuber (Lehramtsstudentin und ehemalige Lehr:werkerin), Clara König (Landesschülersprecherin Bayern für die Gymnasien) und Philip Degenfelder (Bezirksschülersprecher von Oberbayern-West für die Gymnasien) mit Johanna Bruckner, Redakteurin Süddeutsche.de (Ressort Bildung und Karriere). Im Mittelpunkt der Veranstaltung in der Technischen Universität München mit über 50 Gästen standen die komplexe Beziehung des Lehrers zu seinen Schülern und die Frage, wie auf einer konstruktiven und angstfreien Basis Lernerfolge erreicht werden können. 

Impulsgeber des Abends war Tanjev Schultz, Autor des Buches „Schule ohne Angst“ und langjähriger SZ-Redakteur im Ressort Bildung. Mit seiner zentralen These, „nur in einer Schule ohne Angst werden Kinder und Jugendliche befähigt, kreativ und entscheidungsfähig zu sein“, plädierte Schulz für eine Pädagogik der Ermutigung, anstelle von starkem Leistungsdruck und Disziplinierung. Nur ein intensiver und offener Dialog zwischen Schülern und Lehrern könne ein harmonisches und konstruktives Lernumfeld erzeugen, so Schultz.

Wie es Lehrern gelingen kann, das Verhältnis zu Schülern und somit die Grundlage für erfolgreiches Lernen positiv zu gestalten, wurde unter den vier Podiumsgästen intensiv diskutiert. Eine Notwendigkeit sahen die Podiumsteilnehmer in dem Punkt, dass Lehrer – über ihre fachlichen Fähigkeiten hinaus – sehr unterschiedliche soziale Rollen übernehmen müssen, um überhaupt eine persönlichere und von Druck entlastete Lernatmosphäre zu erzeugen. Clara König stellte fest: „Den perfekten Lehrer gibt es nicht." Es bedürfe in Schulklassen unterschiedlicher Lehrertypen. Katharina Seehuber bestätigte mit Blick auf ihre Erfahrungen als Lehr:werkerin im Projekt Lehr:werkstatt diese These: „Durch das Unterrichten im Tandem fühlen sich Schüler stärker wahrgenommen. Dadurch ist ein individuellerer Austausch und Unterstützung im Unterricht möglich."

Das Projekt Lehr:werkstatt gab im Rahmen der Diskussion Antworten auf die Thesen von Schultz und viele weitere Fragen des Abends: Die Lehr:werker und Lehr:mentoren des Projekts der Eberhard von Kuenheim Stiftung können sich gegenseitig Feedback geben, neue Methoden ausprobieren, sich im Unterricht gegenseitig unterstützen und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler verstärkt eingehen. Die Lehrwerkstatt und ihre Partner schaffen so neue Räume für eine bessere Lehrerausbildung und Unterrichtsqualität.